Einen Gameserver selbst zu hosten kann vom vorhandenen Rechner bis zu einer separat betriebenen Serverinstanz reichen. Für CPU und RAM gibt es dabei keinen belastbaren Universalwert für alle Spiele. Offizielle Serverdokumentationen zeigen vielmehr spielspezifische Abhängigkeiten: Facepunch dokumentiert für Rust beispielsweise, dass größere Welten mehr RAM und Speicher benötigen und eine höhere Spielerzahl eine schnellere CPU erfordert.
Dieser Guide verwendet deshalb keine allgemeine Formel wie „X GB RAM pro Spieler“. Stattdessen prüft ihr nacheinander Serverunterstützung, offizielle Anforderungen, eigene Last, Netzwerkerreichbarkeit und den gewünschten Administrationsaufwand.
Geprüft am: 5. September 2026.
Schritt 1: Unterstützt das Spiel überhaupt einen eigenen Server?
Bevor ihr Hardware plant, klärt die Serverarchitektur. Valve beschreibt Dedicated-Server-Apps in der Steamworks-Dokumentation als eigene Server-Anwendungen beziehungsweise Tools; Epic definiert einen Dedicated Server in der Unreal-Engine-Dokumentation als headless laufende Instanz ohne lokalen Spieler.
Wenn ein Spiel dagegen nur einen Spieler-Host, Plattform-Lobbys oder ein festes Hersteller-Backend anbietet, folgt daraus nicht automatisch, dass ihr eine eigene Dedicated-Server-Software betreiben könnt. Prüft deshalb zuerst die Entwicklerdokumentation und das jeweilige Spielprofil. Die Begriffe und ihre Abgrenzung erklären wir separat unter Dedicated Server, Listen Server und P2P.
Schritt 2: Serveranforderungen statt Client-Anforderungen verwenden
Die Systemanforderungen des Spiels im Store sind nicht automatisch die Anforderungen des Dedicated Servers. Ein headless Server rendert laut Epic-Dokumentation zu Dedicated Servern keine normale Spielansicht, übernimmt aber die Serverrolle für die verbundenen Clients.
Verwendet deshalb – wenn vorhanden – ausdrücklich die Serveranforderungen des Entwicklers. Facepunch nennt in der offiziellen Rust-Server-Dokumentation beispielsweise 12 GB freien RAM und 15 GB Speicherplatz und bevorzugt SSD/NVMe. Dort wird außerdem dokumentiert, dass größere Welten mehr Speicher und Arbeitsspeicher benötigen und mehr Spieler eine schnellere CPU erfordern.
Wichtig: Diese Rust-Werte sind nur ein Beispiel dafür, wie spielspezifisch Serveranforderungen sind. Übertragt sie nicht auf andere Gameserver.
CPU: Herstellerangaben und Lasttest statt Kernzahl-Faustregel
Aus der Zahl der CPU-Kerne allein lässt sich nicht seriös ableiten, ob ein Gameserver für eure Runde ausreicht. Die Anforderungen sind spielspezifisch. Facepunch formuliert in der Rust-Server-Dokumentation beispielsweise ausdrücklich, dass bei mehr Spielern eine schnellere CPU nötig ist, nennt daraus aber keine allgemeine Kern-pro-Spieler-Formel.
Geht deshalb so vor:
- Prüft die aktuellen CPU-Angaben der offiziellen Serverdokumentation.
- Bei einem VPS prüft zusätzlich, ob CPU-Ressourcen geteilt oder dediziert angeboten werden; die konkrete Leistungszusage des Anbieters ist wichtiger als eine bloße vCPU-Zahl.
- Testet die geplante Spielerzahl und typische Weltlast auf eurer vorhandenen Hardware.
- Beobachtet Serverlog, CPU-Auslastung und spürbare Serververzögerungen unter Last.
Erwartetes Ergebnis: Die Entscheidung basiert entweder auf einer belastbaren Serveranforderung des Spiels oder auf einem reproduzierbaren Test eurer konkreten Runde – nicht auf einer universellen Kernzahl.
RAM: Nur belegte Anforderungen übernehmen
Übernehmt keine universelle „Spielerzahl → RAM“-Tabelle. Welche Faktoren den Speicherbedarf verändern, muss für das konkrete Spiel belegt werden. Facepunch dokumentiert in der Rust-Server-Dokumentation beispielsweise, dass größere Karten mehr RAM benötigen; für Mods oder Plugins gelten deren jeweilige Anforderungen zusätzlich, sofern sie dokumentiert sind.
- Prüft das aktuelle Serverminimum beziehungsweise die Empfehlung des Entwicklers.
- Prüft für verwendete Mods, Plugins oder Serverframeworks deren eigene dokumentierte Anforderungen.
- Plant zusätzlich Speicher für das Betriebssystem ein.
- Messt die tatsächliche Auslastung mit eurer geplanten Welt und Spielerzahl und skaliert erst danach.
Erwartetes Ergebnis: Eure RAM-Planung basiert auf einer offiziellen spielspezifischen Vorgabe und – falls ihr davon abweicht – auf gemessener Last statt auf einer allgemeinen Faustformel.
Speicher: Installation und Betriebsdaten getrennt planen
Plant nicht nur den vom Entwickler genannten Platz für die Serverinstallation. Je nach Spiel kommen persistente Weltdaten beziehungsweise Savegames, Logs, Mods oder Plugins und Backups hinzu. Welche dieser Daten tatsächlich anfallen und wo sie liegen, muss in der Dokumentation des jeweiligen Servers geprüft werden.
Auch die Empfehlung für SSD oder NVMe ist spielspezifisch. Facepunch bevorzugt in der Rust-Server-Dokumentation ausdrücklich SSD/NVMe und nennt 15 GB freien Speicher als Serveranforderung. Diese Angabe gilt nicht automatisch für andere Gameserver.
Für Backups: Definiert vor dem Dauerbetrieb, welche Serverdaten gesichert werden, wie häufig und wie ihr eine Wiederherstellung testet. Die Ubuntu-Server-Dokumentation zu Backups empfiehlt einen Backup-Plan mit Umfang, Häufigkeit, Speicherort und Restore-Verfahren.
Internet: Upload, Latenz und Erreichbarkeit getrennt prüfen
In einem Client-Server-Modell verteilt der Server den maßgeblichen Spielzustand an die verbundenen Clients. Für einen Heimserver ist deshalb auch die ausgehende Kapazität eures Anschlusses relevant. Einen allgemeinen Mbps-Mindestwert für alle Gameserver geben wir bewusst nicht an: Die konkrete Anforderung muss aus der Dokumentation des Spiels oder aus einem Lasttest eurer geplanten Runde stammen.
Prüft getrennt:
- ob die offizielle Serverdokumentation eine Bandbreitenempfehlung nennt,
- ob unter typischer paralleler Nutzung noch ausreichend Upload-Reserve vorhanden ist,
- ob Latenz und Verbindungsqualität für eure Mitspieler unter Last stabil bleiben,
- ob der Server über die vom Spiel vorgesehene Netzwerkarchitektur überhaupt von außen erreichbar ist.
Erwartetes Ergebnis: Ihr habt die Verbindung mit der geplanten Spielerzahl und typischer Haushaltsnutzung getestet und trennt ein Bandbreitenproblem von einem reinen NAT-/Portproblem.
Öffentliche IP, CGNAT und DS-Lite vorab klären
Bei klassischer direkter IPv4-Erreichbarkeit braucht euer Router eine öffentlich erreichbare IPv4 und passende Portweiterleitungen. Hinter CGNAT oder DS-Lite kann diese Kontrolle beim Provider liegen. Dann kann ein lokal perfekt laufender Server aus dem Internet unerreichbar bleiben.
Prüft diese Frage vor stundenlanger Portkonfiguration. Unser Guide Gameserver nicht erreichbar: CGNAT und DS-Lite prüfen führt die Diagnose Schritt für Schritt durch.
Welche Betriebsform solltet ihr prüfen?
Die folgende Tabelle ist eine redaktionelle Entscheidungshilfe, keine allgemeine Qualitätsrangliste. Prüft konkrete Funktionen und Preise immer beim jeweiligen Anbieter beziehungsweise in der Dokumentation des Spiels.
| Variante | Was ihr vor allem prüfen solltet |
|---|---|
| Gaming-PC als Host | Ob Client und Server gleichzeitig auf derselben Hardware ausreichend Ressourcen haben und ob der PC während der gewünschten Serverzeit laufen kann. |
| Separater Rechner im Heimnetz | Stromverbrauch, Wartung, Backups, Netzwerkerreichbarkeit und die offiziellen Anforderungen des Serverpakets. |
| Extern gemieteter VPS/Rootserver | Unterstütztes Betriebssystem und Architektur, zugesicherte CPU-/RAM-Ressourcen, öffentliche Erreichbarkeit sowie euren Aufwand für Systempflege und Absicherung. |
| Managed Gameserver | Ob das konkrete Spiel, gewünschte Mods/Plugins, Backups, Dateizugriff und benötigte Servereinstellungen unterstützt werden. |
Erwartetes Ergebnis: Ihr vergleicht nur Betriebsformen, die das konkrete Serverpaket technisch unterstützen, und stellt danach Aufwand, Funktionen und gemessene beziehungsweise angebotene Ressourcen gegenüber.
Stromverbrauch und Verfügbarkeit nicht vergessen
Ein Heimserver ist nur erreichbar, solange Host, Router und Internetanschluss laufen. Für eine Welt, die rund um die Uhr verfügbar sein soll, gehören deshalb Stromverbrauch, geplante Neustarts und die Verfügbarkeit des Heimanschlusses in die Entscheidung.
Misst den tatsächlichen Strombedarf eurer vorhandenen Hardware statt mit pauschalen Wattwerten zu rechnen. Erst dann lässt sich ein fairer Kostenvergleich mit einem gemieteten Server erstellen.
Sicherheit und Wartung gehören zur Entscheidung
Wenn ihr Betriebssystem und Gameserver selbst verwaltet, übernehmt ihr auch deren Wartung. Canonical empfiehlt in den Ubuntu-Sicherheitshinweisen unter anderem regelmäßige Updates, eine Firewall und das Prinzip der geringsten Rechte; für Benutzerkonten beschreibt Ubuntu zusätzlich die Trennung privilegierter und nicht privilegierter Rechte. Die Backup-Dokumentation fordert außerdem einen geplanten Wiederherstellungsweg.
Für einen selbst verwalteten Gameserver bedeutet das als Mindest-Check:
- Betriebssystem und Server-Software regelmäßig nach deren Dokumentation aktualisieren,
- nur die tatsächlich benötigten Netzwerkdienste freigeben,
- unter Linux den Serverprozess möglichst unter einem nicht privilegierten Benutzer betreiben,
- Savegames und Konfigurationen sichern und eine Wiederherstellung vor einem Ernstfall nachvollziehen können,
- Verwaltungszugänge wie SSH, RCON oder Webinterfaces nur dann öffentlich erreichbar machen, wenn dies erforderlich und entsprechend abgesichert ist.
Die konkreten Netzwerkfreigaben behandelt der Guide Gameserver-Ports freigeben. Die Sicherheitsanforderungen zusätzlicher Verwaltungsdienste bleiben spielspezifisch.
Checkliste vor dem Kauf oder Umbau
- Existiert für das Spiel eine aktuell unterstützte Dedicated-Server-Software?
- Welche Betriebssysteme und Architekturen unterstützt sie?
- Welche offiziellen CPU-, RAM- und Speicheranforderungen gibt es?
- Wie verändern Mods, Weltgröße und Spielerzahl die Last?
- Hat euer Internetanschluss die nötige öffentliche Erreichbarkeit?
- Welche Ports und Protokolle sind wirklich erforderlich?
- Wie werden Updates, Backups und Wiederherstellung durchgeführt?
- Wie viel Administration wollt ihr selbst übernehmen?
Erst wenn diese Punkte beantwortet sind, lohnt sich ein Vergleich konkreter Hardware- oder Hosting-Angebote.
Quellen
- Valve Steamworks – Distributing Your Dedicated Game Server.
- Valve Steamworks – Steam Networking.
- Epic Games – Setting Up Dedicated Servers.
- Facepunch – Rust Server Requirements.
- Ubuntu Server – Security suggestions.
- Ubuntu Server – User management.
- Ubuntu Server – Backups and version control.
- Microsoft Learn – Windows-Firewallregeln.